Nahezeitung: Wir feiern den Baubeginn

Café Abentheuer soll ein wahres Abenteuer werden

aktualisiert: 06.07.2018, 23:04 Uhr

Große Pläne hat das Ehepaar Julia und Thorsten Flick in Abentheuer: Neben ihrem „Fachwerkladen“, einem Spezialgeschäft für biologische und historische Baustoffe, soll im Nachbarhaus das Café Abentheuer entstehen.

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Damit würde nach langer Unterbrechung die Gastronomie in ein Gebäude aus der Barockzeit zurückkehren. Hier sind schon im 17. Jahrhundert Reisende eingekehrt, und hier haben Arbeiter der gegenüberliegenden Eisenhütte Stumm über einen Zeitraum von rund 200 Jahren ihr Feierabendbier getrunken. Aber auch vielen heutigen Dorfbewohnern ist das seit Langem leer stehende Haus noch in guter Erinnerung: Um 1900 kam in das Haus ein „Kolonialwarenhandel“, und noch bis in die ersten Jahre des 21. Jahrhunderts konnte man hier im Dorfladen „bei Massierersch“ die Artikel des täglichen Bedarfs kaufen.

„Das ist ein Ort, der auch heute noch in der mündlich überlieferten Dorfhistorie eine Rolle spielt“, hat Thorsten Flick, der aus Hoppstädten-Weiersbach stammt, festgestellt. „Die Mauer hinter dem Dorfladen war ein beliebter Treffpunkt, dort hat man gesessen und gemaijt.“ Die Flicks wollen nicht nur die alten Geschichten bewahren, sondern dem alten Gebäude auch möglichst weitgehend sein ursprüngliches Aussehen und auch einen Teil seiner früheren Funktionen zurückgeben. Rund zwei Jahre hat man für Restaurierung, Wiederaufbau und Einrichtung des Hauses einkalkuliert. „Der Umbau soll für alle Dorfbewohner ein transparenter Prozess sein und auch gleichzeitig als Anschauungsobjekt für Interessierte fungieren, die sich mit dem Gedanken an eine Restaurierung alter Bausubstanz tragen“, blickt Thorsten Flick in die nähere Zukunft.

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Dorffest läutet den Baubeginn ein

Sozusagen als Abschied vom jetzigen – ziemlich heruntergekommenen – Anblick des Gebäudes und als Vorschau auf die anstehenden Veränderungen soll am 14. und 15. Juli jeweils ab 11 Uhr ein Dorffest zum Baubeginn gefeiert werden. „Da können sich die alten Dorfbewohner auch noch mal anschauen, wie es hier innen einmal ausgesehen hat“, erklärt Julia Flick. Die vierfache Mutter – die Kinder der Flicks sind zwischen drei und zehn Jahren alt – stammt aus dem Schwarzwald und fühlte sich von Anfang an zu ihrer neuen Heimat hingezogen.

Mit Bauprojekten kennen sie und ihr Mann sich aus. Im Dezember 2014 haben sie das mehr als 250 Jahre alte Fachwerkhaus gekauft, in dem sie heute wohnen und ihren Fachwerkladen betreiben und in dem früher die Verwaltung der Stumm-Hütte untergebracht war. Zwar war das Gebäude bereits in den 1980er-Jahren schon einmal kernsaniert worden, aber zuletzt hatte es dann vier Jahre leer gestanden. Auf die Flicks wartete jede Menge Arbeit, zwei Jahre lang wurde geschuftet, verputzt, gestrichen, gesägt und geschraubt. Bei der Renovierung wurden ausschließlich ökologische Baustoffe verwendet. „Wir haben so ein baubiologisch gesundes Refugium geschaffen“, unterstreicht Thorsten Flick. „Bei uns steht Natürlichkeit ganz oben, so haben wir Kunststoffe beim Bau und der Ausstattung des Gebäudes

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ganz bewusst vermieden.“

Die gesunde Raumatmosphäre können auch die Gäste einer kleinen, liebevoll nostalgisch eingerichteten Ferienwohnung genießen, die in dem Fachwerkhaus Platz gefunden hat. Drei weitere Ferienwohnungen in dem Gasthausgebäude sollen noch folgen. „Wir sind überzeugt, dass das Potenzial für einen sanften Tourismus in der Region bislang nur zu einem ganz geringen Teil genutzt wird“, erklärt Julia Flick. Mit den Ferienwohnungen, insbesondere aber dem Café, soll hier auch eine strukturelle Versorgungslücke geschlossen werden. „Es gibt im gesamten Trauntal kein einziges Café“, erklärt die tatkräftige Frau. „So etwas ist nicht gerade dazu angetan, Wander- und Radtouristen anzulocken.“

Das Gesamtkonzept hat auch die LAG Erbeskopf überzeugt, die dem Projekt der Flicks in der vergangenen Leader-Förderperiode mit 41 Punkten auf Platz eins ihres Rankings setzte. „Wir rechnen mit Gesamtkosten von gut 600.000 Euro“, erläutert Thorsten Flick. „Die Leader-Förderung würde etwa ein Drittel davon abdecken. Ohne diesen Zuschuss wäre das Projekt für uns wohl kaum realisierbar.“ Angetan war man bei der LAG und anderen in die Entscheidungsfindung eingebundenen Institutionen wie dem Nationalparkamt, dem Naturpark Saar-Hunsrück, der Naheland-Touristik oder der Verbandsgemeinde Birkenfeld vor allem von der Verknüpfung eines Angebots sowohl für Touristen als auch für die heimische Bevölkerung mit ökologischen Prinzipien, dem Gedanken der Nachhaltigkeit und der Vermarktung regionaler Produkte – schon jetzt kooperieren die Flicks mit SooNahe und „Ebbes von hei“.

 

Ideal für Wanderer und Radfahrer

Hinzu kommt natürlich auch die ideale Lage in einer mit touristischer Infrastruktur derzeit noch völlig unterversorgten Ecke der Nationalparkregion in gerade mal 250 Meter Entfernung vom Schutzgebiet. Der überregionale Radfernweg Birkenfeld–Hermeskeil, der als Verbindung zwischen Naheradweg und Saar-Hunsrück-Radweg fungiert, führt direkt am Grundstück vorbei, ebenso der Nationalparkradrundweg, und in etwa 300 Meter Entfernung verläuft die Traumschleife Trauntal-Höhenweg. Und mit der historischen Eisenhütte hat man direkt vor der Haustür einen – allerdings bislang noch weitgehend ungehobenen – touristischen Schatz. Ein weiterer Marketingvorteil wird der Familie Flick mit dem Ortsnamen gleich kostenlos mitgeliefert. „Café Abentheuer – das klingt ganz einfach großartig!“ Jörg Staiber

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