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Nahezeitung: Café Abentheuer erhält Förderung

Brüsseler Geld für Abentheuer und Langweiler

Axel Munsteiner aktualisiert: 29.11.2017, 18:19 Uhr

In dieser Förderrunde war für alle eingereichten Projektideen genug Geld im Topf, und es gab diesmal keine langen, sondern nur zufriedene Gesichter. Nach einer Mitgliederversammlung am Dienstag in Herrstein können im großen Gebiet der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Erbeskopf die Träger von insgesamt sieben Vorhaben, die vornehmlich den Tourismus in der Nationalparkregion nach vorn bringen wollen, auf eine Finanzspritze der EU und des Landes hoffen.

copyrigth Reiner Drumm

Im Herzen des Nationalparks wird mithilfe der Fördermittel, über deren Bewilligung nach der Empfehlung durch die LAG-Mitgliederversammlung letztendlich mit der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) eine Landesbehörde entscheidet, der barrierefreieNaturerlebnisweg Thranenweier fertiggestellt. Für diesen circa zwei Kilometer langen Rundkurs, der am Rangertreff „Inseltour“ startet, sind einige Bausteine bereits fertiggestellt. So wurde am Weiher bereits eine Plattform installiert, die ins Gewässer hineinragt und auch von Rollstuhlfahrern genutzt werden. Außerdem befindet sich der Bau von Holzstegen, die durch ein Moor führen, in der Endphase. Diese Arbeiten wurden durch Mittel aus dem Landesprogramm „Aktion Blau plus“ finanziert. Die Förderung, für die nun Geld aus Brüssel fließt, dient der Abrundung dieses Gesamtprojekts. Neben der Installation von Infotafeln entlang des Wegs, die auch für seh- und hörbehinderte Menschen geeignet sind, gehören die Möblierung und als Herzstück der Ausbau des Parkplatzes an der K 49 zu diesem Paket. Dort sollen nicht nur Stellflächen für Busse und 21 Autos, sondern auch ein Sanitärgebäude entstehen, das die bisherige Notlösung mit einem Dixiklo ersetzt.

„Börfink ist eindeutiger Schwerpunkt unserer barrierefreien Angebote im Nationalpark“, machte Amtsleiter Harald Egidi in der LAG-Sitzung Werbung für das Projekt, dessen Federführung bei der VG Birkenfeld liegt. Es hing bis dato in der Warteschleife, weil bei der vorangegangenen Förderrunde im Sommer nicht genug Geld zur Verfügung stand. Das ist nun anders. Eine Bewertung von 31 Punkten, die es bei der Erstellung des Rankings durch die LAG-Mitglieder gab, bedeutet bei Gesamtkosten von 187.000 Euro eine Premiumförderung in Höhe von 140.000 Euro.

Grund zur Freude gab es auch für Ortsbürgermeister Joachim Jung. Im Sommer hatte das von seiner Gemeinde geplante Projekt „Mehrgenerationen-Bewegungs- und Begegnungsmeile“ Wilzenberg-Hußweiler noch einen Premiumzuschuss (75 Prozent statt 60 Prozent bei einer Grundförderung) verpasst. Nachdem die Planung nachgebessert wurde, gab es am Dienstag 34 Punkte. Das heißt: Bei Gesamtkosten von 197.000 Euro kann die Gemeinde damit rechnen, dass die Einrichtung eines Gewässer- und Steinlehrpfades, Buckelpiste, Spiel- und Bouleplatz sowie einer Veranstaltungsfläche am Wilzenberger Sportheim mit 147.000 Euro bezuschusst wird. Jeweils 26.000 Euro Förderung erhalten öffentliche Projekte auf der Burg Grimburg und am Mehrgenerationenhaus Johanneshaus in Hermeskeil (beides im Kreis Trier-Saarburg).

Damit wurden im öffentlichen Bereich insgesamt lediglich 340.000 Euro ausgeschüttet, obwohl 500.000 Euro an EU-Mitteln zur Verfügung standen. Die LAG-Mitglieder hatten aber im Sommer festgelegt, dass in einem solchen Fall mit dem überschüssigen Geld aus dem öffentlichen Bereich das Budget für private Vorhaben aufgestockt werden kann. Das kam am Dienstag erstmals zum Tragen: Der Transfer von 160.000 Euro sorgte dafür, dass alle drei vorgestellten Projektideen in den Genuss der Maximalförderung von jeweils 200.000 Euro kommen.

Topplatziert im Ranking war dabei mit 41 Punkten ein Vorhaben der Eheleute Julia und Thorsten Flick aus Abentheuer. Sie haben ein lange leer stehendes Haus, das gegenüber der historischen Eisenhütte steht, gekauft und wollen dort das Café Abentheuer und eine weitere Ferienwohnung mit dem Namen „Zeiträume“ einrichten – das Paar betreibt bereits im Nachbargebäude eine solche Unterkunft. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 610.000 Euro.

Stefan Rüter aus Marl in Nordrhein-Westfalen ist in der Tourismusbranche aktiv, hat die Nationalparkregion erst vor kurzem kennengelernt, betont aber: „Wer Kanada liebt, mag auch den Hunsrück.“ Deshalb will er unter dem Titel „Steinbach Seelodges“ in Langweiler zwei Blockhäuser mit Blick auf die Steinbachtalsperre bauen, die Fünf-Sterne-Standard mit Sauna, Außenwhirlpool und andere Annehmlichkeiten aufweisen und ganzjährig an Urlauber vermietet werden sollen. In der Anfangsphase ist an Übernachtungspreise von 130 bis 150 Euro gedacht. Dieses Projekt mit einem Gesamtinvest in Höhe von 675.000 Euro wurde mit 40 Punkten bewertet.

Eine Premiumförderung gab es schließlich mit 31 Punkten auch für die Pläne von Marco Schupp. Er will durch Umbau und Modernisierung mehrere Themenzimmer zum Nationalpark im Hotel Handelshof in Tiefenstein einrichten. Auffälligste Veränderung soll aber eine neue Glasfront zur Tiefensteiner Straße hin sein. Sie steht im Zusammenhang mit dem Bau eines Aufzugs, der den barrierefreien Zugang zu allen Hotelzimmern ermöglicht.

Schupp zeigte sich im Anschluss an die Sitzung erleichtert, dass unter anderem Idar-Obersteins Oberbürgermeister Frank Frühauf interveniert und die anderen LAG-Mitglieder davon überzeugt hatte, noch drei Zusatzpunkte zu vergeben. Bei der Vorbewertung in der LAG-Geschäftsstelle in Hermeskeil hatte das Projekt, dessen Gesamtkosten mit 592.000 Euro veranschlagt sind, nur 28 Punkte erhalten, was unter der notwendigen Punktzahl von 30 für einen Premiumzuschuss lag. „Ganz klar: Wenn es mit der Premiumförderung nicht geklappt hätte, dann hätten wir unser Vorhaben auch nicht anpacken können“, betonte Schupp anschließend im NZ-Gespräch.

Von unserem Redakteur Axel Munsteiner
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